„Länder müssen jetzt auch dafür sorgen, dass der Impfstoff eingesetzt wird!“

Digitale Bürgersprechstunde von MdL Stephanie Lohr und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn / „Richtige Balance finden“ / Lohr sieht Hoffnungszeichen

04.03.2021, 10:26 Uhr
Jens Spahn und Stephanie Lohr: Impfstoff, der im Kühlschrank liegt, hilft niemand. Foto: CDU/Kowalski (Screenshot)
Jens Spahn und Stephanie Lohr: Impfstoff, der im Kühlschrank liegt, hilft niemand. Foto: CDU/Kowalski (Screenshot)

 WORMS Das Thema Nummer eins, das in diesen Zeiten alle bewegt. Und dazu der Gesprächspartner, der in Deutschland so viel zu entscheiden hat wie sonst kaum jemand. Beides hatte die Wormser Landtagsabgeordnete Stephanie Lohr in ihrer jüngsten digitalen Bürgersprechstunde zu bieten. 

 Dort beantwortete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Fragen rund um das Thema Corona. Rund 170 Teilnehmer schauten zu und konnten im Live-Chat Fragen stellen. Bald darauf war das Video bereits fast 4000 Mal aufgerufen und kann auch jetzt noch auf Stephanie Lohrs Facebook-Seite angesehen werden.
 
Lohr moderierte die Veranstaltung aus der Wormser Vision-Box, wo Spahn auf großen Bildschirmen eingeblendet war. Die Fragen, die den Menschen auf den Nägeln brannten, zeigten: Die Geduld schwindet, Normalität wird herbeigesehnt: Wie steht es um Auswirkung des Lockdowns? Was ist mit den vielen ungenutzten Impfdosen, leeren Impfzentren? Wer ist warum wann dran ist bei der Impfung? In welcher Reihenfolge dürfen die Geschäfte öffnen? Unter welchen Umständen ist wieder Kultur möglich? Viele Wormserinnen und Wormser hatten schon im Vorfeld ihre Fragen an die Wormser CDU-Geschäftsstelle gemailt.
 
Lohr, die sich mit Spahn duzte, wollte wissen: Wie steht es um einen Zeitplan, wann ist das Schlimmste überstanden? Hintergrund: Wenn die Impfungen wie geplant laufen, sind bis 21. September alle, die wollen, geimpft. Spahn warb dennoch für Vorsicht. „Wir müssen die richtige Balance finden, und das geht nur tastend und suchend“. Die in England entdeckte und ansteckendere Mutation mache inzwischen bald den Großteil der neu Infizierten aus. Die Inzidenzwerte, die vier Wochen lang gesunken waren, stocken. „Was uns die Leute glaube ich nicht verzeihen: Wenn wir jetzt öffnen und in sechs Wochen wieder zu ganz anderen Entscheidungen kommen müssen.“ Es gehe jetzt darum „das mühsam und mit harten Härten Erreichte nicht zu verspielen – wir müssen jetzt die richtige Schrittfolge finden.“
 
 Lohr wies auf Schwierigkeiten bei der Impfterminvergabe hin, die von der Landesregierung verursacht worden seien. Spahn sagte: „Entscheidend ist, dass das Angebot ankommt.“ Der Impfstoff sei jetzt da. „Jetzt müssen die Länder dafür sorgen, dass der Impfstoff auch eingesetzt wird“. Damit das, was wir jetzt in den Impfzentren sehen, noch an Dynamik gewinne. „Impfstoff, der im Kühlschrank liegt, hilft niemand.“
 
 „Alle drei zugelassenen Impfstoffe sind wirksam und gleich gut“, denn sie alle verhinderten einen schweren Krankheitsverlauf, sagte Spahn. Ebenfalls als „gutes Zeichen“ wertete er es, dass die Impfstoffe nach allem, was man wisse auch bei Mutationen helfen und sich bei Bedarf innerhalb weniger Wochen anpassen lassen. Für die nächsten Monate entwarf der Minister das Szenario, in dem Impfungen und Vor-Ort-Schnelltests eine Zeit lang gleichrangig nebeneinanderstehen, um das öffentliche Leben in Gang zu bringen. Auch Lohr sah hier Hoffnungszeichen.
 
Reise-Regelungen müssten auf EU-Ebene besprochen werden. „Das Virus ist der Spielverderber, nicht wir“. Bei allen Corona-Entscheidungen, die jetzt getroffen werden müssten, gehe es immer nur um die Abwägung von Schaden. Die gelinge jeden Tag besser, aber nicht perfekt.
 
Auf Lohrs Frage, was sich Spahn für die Zukunft wünsche, sagte dieser: Einen Frühling im nächsten Jahr wie wir ihn 2019 erlebt haben, mit einem Virus, dass wir unter Kontrolle haben. „Dazu gehört auch eine gute Zusammenarbeit zwischen Bund und Land“ – weshalb Spahn, sich Christian Baldauf als Ministerpräsidenten und Stephanie Lohr weiter für Worms im Landtag wünschte.