Lohr will „Allianz der Besser-Esser“

MdL Stephanie Lohr will Landwirte, lokales Handwerk, Schulen, Kitas und Köche an einen Tisch bringen / Lohrs „Kita- und Schulessen“-Tour bei Lebenshilfeküche

03.11.2020
Lohr: Ich wünsche mir, dass wir eine Allianz schmieden aus Landwirten, lokalem Handwerk, Schulen, Kitas und Köchen. Foto: Iris Muth
Lohr: Ich wünsche mir, dass wir eine Allianz schmieden aus Landwirten, lokalem Handwerk, Schulen, Kitas und Köchen. Foto: Iris Muth

 WORMS Weil Stephanie Lohr (CDU) im Landtag die Sprecherin ihrer Fraktion im Umweltausschuss ist, hat die Wormser Abgeordnete in besonderer Weise auch mit Ernährungsthemen zu tun. Und auch hier hat sie einen Plan für Worms: 

 „Ich wünsche mir, dass wir eine Allianz schmieden aus Landwirten, lokalem Handwerk, Schulen, Kitas und Köchen, um unsere Kinder zu "besseren Essern" zu machen“. Was Lohr damit meint, das zeigt sie derzeit im Rahmen ihrer "Kita- und Schulessen"-Tour. Jüngst hat sie die Nelly-Sachs-IGS besucht und einen Einblick in die stationäre Schulmensa erhalten. Jetzt war sie bei der Lebenshilfe-Zentralküche zu Gast.
 
Diese wurde schon mehrfach von der Internationalen Küchen- und Serviermeistervereinigung (IKSV) gewürdigt und erlangte im letzten Jahr sogar Platz 11 der besten deutschen Großküchen. Zudem darf sich die Lebenshilfe-Küche mit vier „Goldenen Kesseln“ schmücken, einer Auszeichnung, die den Sternen bei Restaurants gleichkommt. Dort kocht das Team um Küchenchef Andreas Heß und dessen Stellvertreter Tatjana Martin und Ruben Krauthausen für viele Kitas und Grundschulen in Worms, darunter auch für die Abenheimer Kita und Grundschule, wie Lohr erfuhr, die in diesem Stadtteil Ortsvorsteherin ist. Rund 1200 Grundschüler und Kindergartenkinder kommen in den Genuss der Gerichte. Das Besondere: Profiköche arbeiten dort gemeinsam mit Menschen mit Beeinträchtigung. 
 
Neben dem Catering für Schulen und Kitas gibt es die „Werkstatt für Genuss“, die einen Abholservice für vorbestellte Suppen, Salate und warme Gerichte anbietet. Außerdem werden im Hofladen Feinkostprodukte verkauft, darunter Nudeln, Soßen, Kekse oder Eis. „Mit dieser Vielfalt kann die moderne Küchentechnik optimal ausgelastet werden“, sagt Lohr. So werde ein wirtschaftlicher Betrieb erreicht und es lasse sich mit knappem Budget hohe Qualität und Vielfalt erzielen. „Das ist vorbildlich!“ Die „Werkstatt für Genuss“ ist zudem Mitglied im Verein „Die LeckerEntdecker“, der Präventionsprojekte bündelt, vernetzt, entwickeln und nachhaltig umsetzt, um Esskulturbildung und Lebenskompetenzen bei Kindern zu fördern. „Darauf sollten wir in Worms aufbauen!“, regt Lohr an.
 
Andreas Heß habe nicht nur hervorragende Ideen, sondern könne diese auch sehr gut umsetzen und an Herausforderungen anpassen. Als Beispiele nennt Lohr den Lieferdienst "Uff de Gass" zur Coronazeit oder die eigene Eismarke "Eisigartig". Alle Produkte seien bio, regional und erfüllten höchste Qualitäts- und Geschmacksansprüche. Eine Kostprobe davon erhielt Lohr in Form von geschmorten Rinderbäckchen, Mango-Sorbet und gemischtem Salat mit Hausdressing. „Andreas Heß ist Vollprofi!“, lautete Lohrs Urteil. Und das bezieht sie auch auf das Einfühlungsvermögen, das Heß im Umgang mit den Mitarbeitern zeigt. „Er kann alles so erklären, dass auch die Menschen mit einer Beeinträchtigung eingebunden sind und möglichst selbstständig arbeiten können.“ Das mache die Menschen stark und motiviere sie. Die Beschäftigten könnten selbst schmecken, was sie zubereitet haben. Und sie könnten selbst sehen, dass dies auch den Kunden schmeckt. „Hier wird mit Know-how, moderner Technik und hohem sozialem und ökologischem Anspruch gesundes und leckeres Essen für Kinder zubereitet.“ Heß wiederum lobt sein gesamtes Team, das dies alles erst ermögliche. Sein Credo lautet: "Save the waste und Nachhaltigkeit", was unter anderem kurze Lieferwege, fairen Einkauf, regionale Erzeuger (auch bei Milch), artgerechte Tierhaltung, Gewürze aus ökologischem Anbau und Müllvermeidung durch Großgebinde umfasst.
 
Lohr sagt, Kindern solle von klein auf Lust auf Gemüse gemacht werden. „Ebenso sollten unsere Kinder wissen, was bei uns wächst und wie regionales Obst schmeckt.“ Dazu gehöre auch, dass sie lernten, dass nicht zu jeder Jahreszeit immer alles verfügbar sein müsse. „So lernt die junge Generation gute, regionale Lebensmittel zu schätzen und ist dann später, im Erwachsenenalter, auch bereit, einen angemessenen Preis zu zahlen für landwirtschaftliche Erzeugnisse, insbesondere auch für Fleisch und Milchprodukte.“
 
Das Land Rheinland-Pfalz gebe zwar Standards gemäß der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Schulen und Kitas vor und habe Programme etwa für Schulobst- und Schulmilch aufgelegt. „Die Kinder sehen dadurch aber nicht, wo die Produkte wachsen oder wie aus einem Korn ein Brot wird“. Ein anderes Problem sei, dass Hauswirtschaft und Lebensmittelkunde nicht mehr den Stellenwert im Unterricht habe wie noch bei den Generationen zuvor. Zum Ausgleich müssten mehr praktische Angebote gemacht werden. „Fast alle befürworten biologisch erzeugte, gesunde und regionale Lebensmittel – aber im Supermarkt greifen dann doch viele unreflektiert einfach zum günstigsten Produkt“, erklärt Lohr. Gemüse sei nur für wenige eine Alternative zum Schnitzel. Lohr ist sicher, dass es aber nur an Ideen und Wissen fehle. „Zu wenige wissen, wie sich aus Gemüse und Hülsenfrüchten beispielsweise eine vollwertige Soße als Alternative zur bekannten Hackfleischsoße zubereiten lässt.“ Gut sei es, dass Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner den Nutri Score eingeführt hat und immer mehr Fleischprodukte eine Kennzeichnung zur Herstellungsmethode enthalten. „So können Verbraucher bewusst eine gesündere Entscheidung treffen.“