„Die Männer mehr in die Pflicht nehmen!“

MdL Stephanie Lohr fragt Soroptimistinnen: Wie kommen mehr Frauen in Führungspositionen?

14.01.2021, 19:58 Uhr

 WORMS Warum sind Frauen in Führungspositionen so selten? Hilft eine Quote? Das hat die Wormser Landtagsabgeordnete Stephanie Lohr in Worms Frauen gefragt, die es wissen müssen: Die Soroptimistinnen, ein internationaler Service-Club, dem ausschließlich Frauen in verantwortlichen Berufspositionen angehören. 

 Lohr ist die erste weibliche CDU-Kreisvorsitzende in Worms und mit 37 Jahren im Landtag eine der jüngsten Abgeordneten – eine große Ausnahme. „Aber warum liegt der Frauenanteil in Politik oder in Unternehmen bei nur bei rund 30 Prozent – und was lässt sich dagegen tun?“, wollte Lohr wissen.
Präsidentin Rosemarie Schönherr hatte viele Club-Schwestern zu einer digitalen Runde eingeladen, um dieser Frage nachzugehen. „Wir brauchen mehr Wertschätzung und Anerkennung für diejenigen, die sich dafür entscheiden, ein Kind zu bekommen“, lautete eine Forderung. Gleichberechtigung bedeute 50 Prozent „vom Abwasch bis zur Elternzeit“. Zumindest die Rahmenbedingungen, um sich so entscheiden zu können, müssten gegeben sein. „In den letzten Jahren hat sich hier viel gebessert – es gibt aber immer noch viel zu tun“, lautete das Fazit. So entspreche die Elternzeit, die Männer nehmen, noch immer eher einem verlängerten Urlaub. Und es gebe Betriebe, die dafür nicht mal das passende Formular hätten. Nötig seien mehr Möglichkeiten, wieder in den Beruf einzusteigen. Frauen dürften nicht als Rabenmutter dastehen, wenn sie nach einer kurzen Babypause wieder anfangen zu arbeiten. 
Dies erfordere die nötigen Betreuungsstrukturen, von Krippenplätzen für die ganz Kleinen bis zu gesicherter Ferienbetreuung im Grundschulalter. Zweiteres könne nicht auf Vereine und das Ehrenamt geschoben werden. „Gerade - aber nicht ausschließlich - für geringverdienende Frauen sind kostenfreie Betreuungs-Angebote bei Erwerbstätigkeit ausschlaggebend, um wieder in den Beruf einzusteigen und für die Rente vorzusorgen“, sagte Müller
Hilft die Frauenquote? Umfragen zufolge wird dies besonders unter jüngeren Frauen auch kritisch gesehen. Lohr sagte: „Auch ich wollte in der Studienzeit, dass meine Leistung gewürdigt wird und nicht mit dem Postid „Quotenfrau“ herumlaufen.“ Das Umdenken kam, als die Karriere Lohr Verantwortung in der Personalleitung eines großen Unternehmens brachte. Dort habe sie gelernt: „Es gibt Muster, die Frauen benachteiligen.“ Auch stelle der Spagat zwischen Familie und Beruf für Frauen eine besondere Gefahr dar auszubrennen. Anne Dörrhöfer fasste zusammen: „Ohne Quote wird sich nichts ändern!“. Während einige die Quote vor allem in großen Unternehmen wollten, forderte Pia Müller: „Wir brauchen viel mehr Push!“. Weibliche Kompetenz müsse mehr wahrgenommen werden. Und eine Frau alleine an der Spitze könne nur schwer Netzwerke knüpfen. Zumal Loyalität unter Frauen weniger stark ausgeprägt sei als unter Männern. Einig war man sich: „Wir müssen die Männer mehr in die Pflicht nehmen!“. 
Noch immer verdienen Männer bei gleicher Leistung im Durchschnitt mehr als Frauen. Eine Erklärung hierfür lautete: „Frauen agieren in Gehaltsverhandlungen zurückhaltender.“ Das geringere Einkommen sorge dafür, dass Frauen in der Elternzeit eher zu Hause bleiben. Ein Teufelskreis. Bei der Steuer gehöre das Ehegatten-Splitting daher abgeschafft. Schon in der Erziehung müssten die Weichen gestellt werden, damit Mädchen später auch Karrieren in bisherigen Männerdomänen wagten. Wichtig seien auch Vorbilder. Bei Studium und Ausbildung müsse nach neuen Lernmodellen geschaut werden. Viele weitere Themen wurden beleuchtet, darunter Corona, wo Frauen ebenfalls stärker von Auswirkungen betroffen seien.
Aber auch Lichtblicke wurden genannt: Im Landtag etwa, berichtete Lohr, seien es gerade die jüngeren Frauen, die sehr gut vernetzt seien untereinander. „Das hilft, projektorientiert zu arbeiten, statt reflexhaft in alte Parteimuster zu verfallen.“ Lohr warb dafür, dass sich mehr Frauen in politischen Parteien engagieren: „Es müssen genügend Frauen zur Auswahl stehen“, sagte sie, „sonst hilft auch die beste Quote nichts.“